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01 - Kaiserpinguine in der Atka-Bucht. Foto © Stefan Christmann

PRESSE – Unter Pumas und Kaiserpinguinen – Ingo Arndt und Stefan Christmann

Unter Pumas und Kaiserpinguinen

Mit Ingo Arndt und Stefan Christmann kommen zwei international prämierte Fotografen zu den 18. Naturfototagen Hunsrück

Idar-Oberstein. Die 18. Naturfototage vom 19. bis 21. November in der Messe Idar-Oberstein können auch in diesem Jahr wieder mit einem hochklassigen Programm aufwarten. So nimmt der bekannte Fotograf Peter Gebhard am ersten Abend die Besucher in seinem T1-Bulli die Besucher mit auf eine Fahrt quer durch Europa von Istanbul bis zum Nordkap. Weitere Höhepunkte sind ein Wüstentrip mit Andrea Nuß auf 700 Kilometern durch die Sahara, die Reisen von Markus Mauthe zu den indigenen Völkern am Rande der Welt oder Sebastian Casparys Impressionen vom äußersten Norden des amerikanischen Kontinents.

Gleich zwei Preisträger aus dem Jahr 2019 der wohl renommiertesten und begehrtesten Auszeichnung für Naturfotografen, dem Wildlife Photographer of the Year Award, sind am letzten Tag der Veranstaltung zu Gast. Ingo Arndt, der in der Kategorie „Verhalten Säugetiere“ den Preis für die Aufnahme des Angriffs eines Pumas auf ein Guanako erhielt, und Stefan Christmann, der in der Kategorie „Portfolio“, also für eine Fotoserie, für seine Bilder vom Leben der Kaiserpinguine in der Antarktis ausgezeichnet wurde. Wir sprachen mit beiden Preisträgern unter anderem darüber, wie ihre einzigartigen Fotos zustande gekommen sind.

Schon etliche Male hat Ingo Arndt Patagonien an der Südspitze Südamerikas bereist, das erste Mal vor rund 20 Jahren. „Ich wollte etwas über Guanakos erfahren“, berichtet er. „Ich war etwa sechs Wochen dort in der Region Torres del Paine in Chile. Und in dieser Zeit habe ich ein einziges Mal aus größerer Entfernung ein Puma gesehen. Da hat es bei mir Klick gemacht, ich war auf Anhieb fasziniert von diesen schönen und überaus ästhetischen Tieren.“

Allerdings hat es rund 15 Jahre gedauert, bis es zur nächsten Begegnung in freier Wildbahn kam. Arndt bekam einen Auftrag im Rahmen eines Filmprojekts über Grasländer der Erde. Bei der Auseinandersetzung mit den verschiedenen Grassorten der patagonischen Steppe konnte er erneut eine der scheuen Raubkatzen beobachten. „Da wollte ich dann unbedingt so schnell wie möglich zurück und habe das auch schon ein paar Wochen später hinbekommen“, erzählt Arndt. Tatsächlich gelangen ihm einige Aufnahmen von Pumas in der Graslandschaft. „Das Wichtigste an der Jagdstrategie dieser Einzelgänger ist es, nicht gesehen zu werden“, erläutert Arndt, was solche Aufnahmen so schwierig macht. „Außerdem ist das Revier eines männlichen Pumas rund 60 Quadratkilometer groß, das eines Weibchens etwa 25. Da muss man sie überhaupt erst einmal aufspüren.“

Noch schwerer ist es, ein Puma bei der Jagd vor die Linse zu bekommen. Die Tiere gehen abends in der Dämmerung auf die Jagd, nur etwa eine Stunde lang ist das Licht ausreichend, um sie zu fotografieren. Trotzdem sind Arndt bei seinem insgesamt achtmonatigen Aufenthalt in Patagonien einzigartige Bilder gelungen, die die Großkatzen nicht nur bei der Jagd zeigen, sondern auch bei der Paarung und der Aufzucht von Jungen. „Ich bin der erste, der den rund eineinhalbjährigen Zyklus von der Paarung bis zur Loslösung der Jungen von der Mutter komplett mit der Kamera festgehalten hat“, berichtet Arndt, der seine Fotos alle per Hand und ganz ohne Fotofallen geschossen hat.

Damit solche Aufnahmen gelingen, bedarf es neben Ausdauer, Geschick und Glück auch immer ein gutes Stück taktischer Raffinesse. „Ich habe das große Guanakomännchen auf der Erhebung gesehen und wusste, dass der Puma in der Nähe ist“, berichtet Arndt über das Zustandekommen seines preisgekrönten Fotos. „Da habe ich mich ganz auf das Guanako konzentriert. Tatsächlich hatte ich Glück, dass der Puma das Guanako dann angegriffen hat.“ Dabei wurde Arndt Zeuge eines dramatischen Kampfes zwischen den Tieren, der letztlich glücklich für das Guanakomännchen ausging. Der Puma hatte seine Beute zwar schon am Hals gepackt, aber das Guanako warf sich mit seinem ganzen Gewicht auf die Raubkatze und konnte schließlich entkommen.

Noch kälter als in der rauen und häufig stürmischen und regnerischen Bergwelt Patagoniens wurde es für Stefan Christmann in der Antarktis. Sein erster längerer Aufenthalt dort ging über 14 Monate, wo der Geophysiker seismologischen Messungen auf der Forschungsstation Neumayer 3 machte. In seiner Freizeit ging er auf Fototouren, für die aber besonders im arktischen Winter nur ein kleines Zeitfenster blieb, denn dann ist es bis auf ein paar Stunden Dämmerlicht den ganzen Tag dunkel. „Es ist ein ganz besonderes Licht“, erinnert sich Stefan Christmann. „Es ist eine Art langgezogene Blaue Stunde. Nur dass der Himmel nicht blau ist, sondern ganz verschiedene Pastelltöne annimmt. Die Luft ist so klar, dass man sogar sehen kann, wie der Erdschatten auf die Atmosphäre fällt.“ Aber es war nicht nur das Licht, das Christmann bei seinen Fotoausflügen so fesselte, sondern noch mehr eine Kolonie von Kaiserpinguinen, die wohl eines der merkwürdigsten und anrührendsten Brutverhalten in der Vogelwelt haben.

Fünf Jahre später – 2017 – kehrte er zurück in die Antarktis, dieses Mal nicht als Geophysiker, sondern Expeditionsfotograf und Kameraassistent der BBC. „An der Atka-Bucht schmiegen sich auf kleinstem Raum mehr als 5000 männliche Kaiserpinguine zum Schutz vor der stechenden Kälte dicht zusammen, um jeweils ein einzelnes Ei unter einer Hautfalte auf den Füßen zu schützen“, berichtet Christmann über ihre Reise. „Es ist ein Verhalten, das man ‚Huddle‘ nennt. Es ist eine erstaunliche ökologische Nische, die sich die Pinguine da durch ihr Gruppenverhalten erschlossen haben. Denn durch dieses Kuschelverhalten trotzen sie Temperaturen von minus 50 Grad und eisigen Stürmen von bis zu 200 Stundenkilometern. Besonders erstaunlich ist es, dass die Pinguinmännchen während der Brutzeit von vier bis fünf Monaten keinerlei Nahrung zu sich nehmen.“

Ein Fazit aus den Beobachtungen ist für Christmann schon mal klar: Nähe bringt etwas. „Das kann lässt sich auch auf Menschen übertragen“, ist er sicher. „Der Titel des Vortrags heißt bewusst ‚Eine Liebe für Leben‘ und nicht ‚fürs Leben‘. Bei den Pinguinen geht beim Kuscheln schlicht ums Überleben. Eine Liebe fürs Leben gibt es bei ihnen dagegen nur selten, meist wechseln sie von Brutsaison zu Brutsaison den Partner.“ Bei seinem Vortrag wird Christmann nicht nur über die Kaiserpinguine berichten, sondern auch über die schwierige Anreise zu ihnen, die im Verlauf des Jahres nur in ein paar wenigen Monate während des arktischen Sommers möglich ist.

DOWNLOAD: Pressemeldung und Fotos

Fotos

01 – Kaiserpinguine in der Atka-Bucht. Foto © Stefan Christmann

02 – Pinguin-Nachwuchs in der Atka-Bucht. Foto © Stefan Christmann

03 – Puma mit ihren beiden Jungen in Patagonien. Foto © Ingo Arndt

04 – Puma auf der Jagd. Foto © Ingo Arndt


 Das Programm

Freitag, 19.02.2021

19.30 Uhr, Peter Gebhard: „Das große Bulli-Abenteuer – Von Istanbul ans Nordkap“

Samstag, 20.02.2021

14.30 Uhr, Uwe Wuller, Sandra und Wolfgang Walkowiak: „Die ungleichen Schwestern – Naturfotografie auf den Nordseeinseln Sylt und Amrum“

16.30 Uhr, Jon A. Juarez: „Grenzen überwinden“

18.30 Uhr, Andrea Nuss: „Abenteuer Sahara – 700 km auf alten Karawanenwegen“

Sonntag, 21.02.2021

10.30 Uhr, Sebastian Caspary: „Der wahre Norden – Sehnsucht Yukon und Alaska“

11.45 Uhr, Stefan Christmann:  „Pinguinliebe – ein Bund für Leben“

13.30 Uhr, Markus Mauthe: „An den Rändern der Welt“

15.30 Uhr, Ingo Arndt: „Pumaland – im wilden Patagonien“


Ausstellungen

Preisträger des Fotowettbewerbs „Glanzlichter der Naturfotografie“: „Eine Reise auf den Äquator“

Sebastian Caspary: Impressionen aus der Nationalparkregion Hunsrück-Hochwald

Nonstop-Fotopräsentation der Foto AG des Kunstvereins Obere Nahe


Tickets

Personalisierte Tickets sollten möglichst im Vorverkauf unter www.fototage-mio.de erworben werden.


Pressekontakt

Mirko Arend, Geschäftsführer
Messe Idar-Oberstein GmbH
John-F.-Kennedy-Str. 9
55743 Idar-Oberstein
Deutschland

Telefon +49 6781 568 722 00
office@messe-io.de
www.messe-io.de

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